Alexander Skarsgård:
eine Studie der Kontraste

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Der Schauspieler spricht über das bewusste Eingehen von Risiken, seine „one in, one out“-Garderobenregel und die feinen Nuancen des Method Dressing.

Das Leben hätte für Alexander Skarsgård auch anders verlaufen können, hätte sich sein jüngeres Ich durchgesetzt. „Mein Ziel war ein Bürojob. Ich wollte einen Anzug tragen und eine Aktentasche bei mir haben“, erinnert sich der Schauspieler an seine frühen Versuche, Abstand vom künstlerischen Erbe der Familie Skarsgård zu gewinnen. Wie so oft im Leben nahm die Geschichte aber doch noch eine andere Wendung. Seit seinem Durchbruch in der Vampirserie True Blood hat der schwedische Schauspieler einige der differenziertesten Figurenzeichnungen der vergangenen Jahre geschaffen – von seiner Emmy-prämierten Rolle in Big Little Lies bis zu Ray, der vielschichtigen, zurückhaltenden Hauptfigur der queeren Rom-Com Pillion.  


Skarsgårds Fähigkeiten reichen jedoch über sein filmisches Werk hinaus. Auffallend ist seine Fähigkeit, die Grenzen zwischen öffentlicher und privater Persona bewusst zu verschieben. Bekannt für seinen überlegten persönlichen Stil – er folgt einer „one in, one out“-Garderobenregel – sorgten zuletzt Auftritte auf dem roten Teppich für Aufmerksamkeit: Lederstiefel in Überlänge, rückenfreie Silhouetten. Was zunächst überraschen mag, wirkt bei näherer Betrachtung wie eine konsequente Erweiterung seines Ausdrucks. Diese Form der Selbstinszenierung ist zu einer eigenen Performance geworden und eröffnet Gespräche über kreative Beweglichkeit, Verletzlichkeit und Stil. „Ich erscheine nicht als meine Filmfigur auf dem roten Teppich“, sagt er. „Aber es ist eine Gelegenheit, sich vom Thema eines Projekts inspirieren zu lassen und es zu würdigen. Mode kann inspirierend und kreativ sein.“ So wurde er beinahe beiläufig zu einer Figur, die für einen selbstverständlichen, experimentellen Umgang mit Stil steht.  


Im Anschluss an das Shooting für die COS Frühjahrs-/Sommerkampagne 2026 haben wir mit Alexander über seinen Weg zur Schauspielerei gesprochen, über seine bewusst reduzierte Garderobe – und darüber, warum er trotz manch gewagter Entscheidung nicht an Method Dressing glaubt. 

„Ich möchte, dass jedes einzelne Stück in meiner Garderobe für mich eine Bedeutung hat.“
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Alexander trägt ein Hemd und eine Hose von COS. 

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Alexander trägt eine Jacke von COS. 

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Alexander trägt eine Jacke von COS. 

ÜBER SEINEN WEG ZUR SCHAUSPIELEREI 


„Als Jugendlicher bestand mein Weg zunächst darin, mich von meiner kreativen Familie abzugrenzen. Mein Vater ist Schauspieler, und auch in meiner Verwandtschaft arbeiten die meisten in künstlerischen Berufen – als Maler, Komponisten oder Autoren. Ich mochte sie als Menschen sehr, wollte jedoch bewusst eine andere Richtung einschlagen. Mein Ziel war ein Bürojob. Ich wollte einen Anzug tragen und eine Aktentasche bei mir haben.“  



ÜBER ERWARTUNGEN 


„Ich war es leid zu hören: ‚Du wirst doch Schauspieler wie dein Vater.‘ Also habe ich mit aller Kraft versucht, etwas zu finden, das möglichst weit von dieser Welt entfernt war. Wahrscheinlich habe ich deshalb Politikwissenschaft studiert, bin zum Militär gegangen und für einige Zeit nach Leeds gezogen, um Englisch zu studieren. Mein Weg bestand mehrere Jahre lang darin, unbedingt etwas anderes machen zu wollen – bis ich schließlich nachgegeben habe und doch in die Fußstapfen meines Vaters getreten bin.“ 

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Alexander trägt Strick und eine Hose von COS. 

„Es ist wichtig, sich kreativ geschützt zu fühlen. Auf Autopilot zu arbeiten oder keinen Raum für Entdeckung und Entwicklung zu spüren, würde mir große Angst machen.“

ÜBER DIE KRAFT DES HUMORS 


„Ich habe Komödien schon in jungen Jahren geliebt und tue es noch immer. Viele Comedians haben mich begeistert und geprägt. Wir hatten alte VHS-Kassetten mit den Marx Brothers, Charlie Chaplin und Laurel und Hardy. Als Kind der Achtziger haben mich außerdem große Namen wie Chevy Chase und Steve Martin stark inspiriert.“  

  


ÜBER VIELFALT 


„Ich kann keinen einzelnen roten Faden benennen, der sich durch alle Projekte zieht, die mich angezogen haben. Vieles hängt davon ab, wo ich im Leben gerade stehe und was ich zuvor gemacht habe. Wenn ich an etwas sehr Intensivem, Düsterem gearbeitet habe, zieht es mich meist zu leichteren, spielerischeren Stoffen – und umgekehrt. Beim Lesen eines Drehbuchs stelle ich mir vor allem eine Frage: Wie sehr möchte ich zwei Jahre mit dieser Figur verbringen? 

Nach Pillion habe ich zwei Filme gedreht, mit denen ich nach Sundance gehe. Einer heißt Wicker. Darin spiele ich eine Figur, die vollständig aus Flechtwerk besteht. Der andere ist The Moment mit Charli XCX, eine Mockumentary über das Nachhallen des Brat Summer. Zwei Projekte, die unterschiedlicher kaum sein könnten.“ 

  


ÜBER DIE FREIHEIT, SCHEITERN ZU DÜRFEN 


„Es ist mir sehr wichtig, mich am Set emotional sicher zu fühlen. Ich muss das Gefühl haben, auch einmal furchtbar schlecht sein zu dürfen – und dass das in Ordnung ist. Dass Raum bleibt für Risiko und für Versuche innerhalb einer Szene, selbst wenn ich ahne, dass es vielleicht misslingen könnte. Es ist wichtig, sich kreativ geschützt zu fühlen. Auf Autopilot zu arbeiten oder keinen Raum für Entdeckung und Entwicklung zu spüren, würde mir große Angst machen.“ 

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Alexander trägt einen Blazer von COS. 

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Alexander trägt einen Mantel von COS. 

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Alexander trägt einen Mantel von COS. 

ÜBER SEINE BEWUSST ZUSAMMENGESTELLTE GARDEROBE 


„Ich habe eine Capsule Wardrobe. Nachdem ich viele Jahre oft unterwegs war, gefällt mir der Gedanke, alles in einem Koffer unterzubringen und Pieces zu haben, die sich vielseitig kombinieren lassen.  


Jedes einzelne Stück soll für mich eine Bedeutung haben. Es soll etwas sein, das ich lange tragen und wirklich schätzen werde. Ich kaufe nicht viele neue Dinge. In unserer Gesellschaft konsumieren wir Kleidung oft nur für einen Moment, um sie danach wieder auszusortieren. Ich halte mich an eine ‚one in, one out‘-Regel. Ich möchte nichts anhäufen. 


Ich besitze einen Kaschmirpullover von COS, den ich vor sechs Jahren gekauft habe. Das klingt vielleicht nicht nach viel, aber er ist ein zentraler Bestandteil meiner Strickgarderobe – und ich trage ihn ständig. Ich liebe ihn.“ 

  


ÜBER DIE COS F/S26 KOLLEKTION 


„Beim Shooting habe ich viele besondere Pieces entdeckt. Was ich daran schätze: Sobald man sie anzieht und spürt, merkt man ihre Qualität und die Sorgfalt in der Verarbeitung. Sie lassen sich mühelos kombinieren und vielseitig tragen. COS trifft für mich genau den richtigen Punkt: gut gemachte, schöne Kleidung, die man über lange Zeit hinweg trägt.“ 

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Alexander trägt eine Jacke von COS. 

„Ich fühle mich dem Method Dressing nicht verpflichtet. Mode ist für mich eine Gelegenheit, Inspiration zu finden.“

ÜBER DIE GARDEROBE SEINER FIGUREN 


„Als ich Lukas Matsson in Succession gespielt habe, war es zunächst nicht leicht, die Figur über ihre Kleidung zu definieren. In einer meiner ersten Szenen kommen die Roys zu mir, um zu verhandeln. Mir war klar, dass sie in ausgesprochen luxuriöser Garderobe auftreten würden. Die Kostümbildnerin und ich haben an diesem Morgen Verschiedenes ausprobiert, doch nichts fühlte sich stimmig an. Schließlich sagte ich: Was wäre, wenn ich einfach meine eigene Kleidung trage – ein altes T Shirt für 15 Dollar, eine Stoffhose und Gummisandalen? Genau so ist die Figur in der Szene dann auch zu sehen. Es entsteht ein subtiles Machtspiel.“ 

  


ÜBER METHOD DRESSING 


„Ich fühle mich dem Method Dressing nicht verpflichtet. In den vergangenen Monaten waren wir mit Pillion auf verschiedenen Filmfestivals unterwegs. Aber ich erscheine weder auf dem roten Teppich noch bei Veranstaltungen als Ray, meine Figur aus dem Film. Stattdessen sehe ich es als Gelegenheit, mich inspirieren zu lassen und das Thema des Films zu würdigen. Das hat mir besonders gefallen, weil Mode inspirierend und kreativ sein kann. Während der Pressetermine erlaube ich mir mehr Freiheit und zeige etwas verspieltere, etwas gewagtere Looks. Das bildet einen spannenden Kontrast zu meiner Alltagsgarderobe.“ 

Text von Alex Rhodes
Alexander Skarsgård trägt Modelle der Frühjahrs-/Sommerkollektion 2026.
Fotos von Karim Sadli. Styling von Jane How.