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LEUTE

Mehr als Kunst und Kuratieren:
ein Gespräch mit Antwaun Sargent 

Der Kritiker und Kurator über eine neue, von aufstrebenden schwarzen Künstler*innen angetriebene Kunstbewegung.

Antwaun trägt Hemd und Hose von COS.

„Wir leben derzeit in einer sich ständig weiterentwickelnden Konsumwelt. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, da Künstler*innen neue Wege finden müssen, ihre künstlerische Tätigkeit zu vermitteln und zu erweitern“, sagt der Kurator, Kunstkritiker und Schriftsteller Antwaun Sargent. Für den in Chicago geborenen Kommentator, dessen Karriere eher ungewöhnlich verlief – vom Vorschullehrer bis hin zum Direktor der Gagosian Galerie –, bedeutet Kunst weitaus mehr, als nur den Moment festzuhalten. Die schwarzen Künstler*innen, denen er seine Zeit widmet, bestimmen ihr ganz eigenes Schicksal, indem sie die Rolle des Künstlers mit dem Fokus auf Identität und Repräsentation neu definieren.

 Mit The New Black Vanguard, seinem 2019 erschienenen Bildband, der eine neue Bewegung von schwarzen Fotograf*innen zeigt, verschafft Sargent Künstler*innen Gehör, die einen äußerst kreativen Weg einschlagen, um ihre einzigartige Beziehung mit Kultur und Gesellschaft darzustellen. Er verwendete Bilder, bei denen es nicht nur um „Blackness“ geht, sondern die zeigen, wie diese neu entstandene Generation zukunftsweisende Fotograf*innen hervorbringt. Junge Talente bringen „frische Perspektiven und definieren ihre Geschichte neu“. Und seine Herangehensweise an Ausstellungen, die deren Kunst feiert, fühlt sich genauso originell an.

Sargent erstellt Räume, die es den Besucher*innen erlauben, sich auch physisch mit Kunst zu verbinden – mithilfe von Geräuschen, Berührungen und sogar dem Geschmackssinn. Dadurch entsteht eine Verbindung mit dem ganz individuellen Stil des Künstlers oder der Künstlerin. Sein Einfluss auf eine doch oft spießige und eisige Kunstwelt, bewirkt weitaus mehr Veränderungen, es geht nicht nur darum, die Kunst dieser Community zu zeigen und zu erklären. Und dann? Ganz einfach. „Noch mehr Shows mit noch mehr schwarzen Künstler*innen.” 

In seinem Zuhause in New York spricht Sargent über Fortschritt, darüber, wie sich die Repräsentation von schwarzen Menschen in der Modewelt verändert, und an welchen Gesprächen über Kunst wir teilnehmen sollten.

„Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, da Künstler*innen neue Wege finden müssen, ihre künstlerische Tätigkeit zu vermitteln und zu erweitern.“ 

ON NAVIGATING THE INDUSTRY
‘Travelling around the world to different parts of the US, Africa, Europe and the Caribbean as a result of my writing practice, has allowed me to thoroughly engage with how Blackness is presented in the visual arts. Subsequently it has been truly a collaborative journey synthesising what I’ve learned to turn into my book The New Black Vanguard, which was published in October 2019.’

ON MEASURING PROGRESS
‘In terms of overall representation of the Black figure, magazine covers in the 2020s have featured Black subjects three times more often than over the previous 90 years. One could see that as progress, or one could look and ask why now? Asking these questions opens really interesting debates around the Black commercial image and the circulation of that. I do feel incredibly lucky to be able to witness and write the first book on this movement. These are young artists aged 22 to 35 at the beginning of their careers putting their perspective on a history that is unbelievably white, male and heterosexual.’ 

ON RESHAPING THE ART WORLD
‘The reception for The New Black Vanguard has been unique. I have not seen a photobook garner this much reception in the past 10 years. Over 20,000 copies have been sold. This attention I hope can truly indicate to Black Photographers that their work matters. When we were on the book tour before Covid-19 stopped us, people were coming from all over the place, flying from Seattle, travelling from Texas. There was a line down the block to see the exhibition. I saw people crying in front of photographs. I will never forget this for the rest of my life.’

ON CURATING EXPERIENCES
‘Take Social Works 1 last year in New York for example. The hope was that people would reflect on how they engaged with the space and what privileges, or prejudices happen or are enacted on them as they move through the space. That’s inherent. My primary concern, in terms of the audience, was thinking through the way that audiences can experience an exhibition – so you don’t just have a painting on a wall, you have sound that you may dance to, you have sculpture that you move through, you have a farm that you may take food from. You’re asked to do some of the work with your body in this exhibition, and I hope that helps folks consider the ways in which they move through the world.’

ON CONNECTING ART & STYLE
‘Some of my biggest inspirations are the gentlemen featured in the work of the late, great painter Mr Barkley L Hendricks (1945-2017), who made striking portraits of incredibly stylish Black men and women.’

ON EMERGING VOICES TO FOLLOW
‘Awol Erizku toying with the commercial and conceptual in photography. Alexandria Smith’s dreamlike allegorical paintings that visualize the many unspoken roles, contradictions, and uncertainties impressed upon the Black female body. And finally, Amanda Williams whose architectural work is an identity-affirming response to the most recent tumultuous racial events in the United States.’

Antwaun trägt Blazer und Hose von COS.

QUICK FIRE Q&A 

Welche Kunstausstellung hatte den größten Einfluss auf Ihr jüngeres Ich?
„Kara Walker im Guggenheim Museum in New York City.“ 

Welches Buch würden Sie empfehlen, das jeder lesen sollte?
The New Black Vanguard.’

Welchen Ratschlag würden Sie jemandem geben, der eine Karriere in der Kunstbranche anstrebt?
„Ich habe eine genaue Vorstellung davon, wer ich bin. Wenn du auch eine klare Vorstellung davon hast, wer du bist, dann wird dir das helfen, deinen Stil zu definieren.“



Text: Ben Perdue 
Fotos: Tim Elkaïm 
Styling: Clare Richardson 


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