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KOLLEKTIONEN

Materialien mit Methode: Materra

COS investiert in das innovative Technologieunternehmen Materra: Seine Gründer sprechen mit uns über ihre bahnbrechende Innovation – Baumwolle aus dem Gewächshaus.

(R) Im Uhrzeigersinn von links: Rajeshkumar Bhurabhai Pargi, Dilipsinh Rajuji Thakor, Vishal Sendhaji Rathod, Mitarbeiter der Farm, und Edward Hill, Mitbegründer von Materra (Bild: Dhruvin).  

Ein vorausschauender Ansatz, der nicht nur bewährte Praktiken widerspiegelt und die Komplexität einer transparenten Lieferkette berücksichtigt, sondern auch mehr Engagement zeigt für das, was vor Ort geschieht: Der CEO von Materra, Edward Brial, teilt uns mit, welche Maßnahmen er sich von der Modeindustrie bei der Beschaffung von Materialien wünscht. Und er muss es wissen: Das Unternehmen für klimaresistenten Baumwollanbau, das er zusammen mit seinen ehemaligen Studienkollegen vom Imperial College, Edward Hill und John Bertolaso, gründete, gilt als Vorreiter auf dem Gebiet.

Der Baumwollanbau in klimatisierten Gewächshäusern ist das Steckenpferd von Materra. Im Vergleich zum konventionellen Baumwollanbau im Freien ist der Ertrag pro Fläche bis zu viermal höher, es werden bis zu 80 % weniger Wasser und keine Pestizide verbraucht und der Kohlendioxidausstoß wird im Vergleich zum chemieintensiven Baumwollanbau um etwa 30 % reduziert. Es überrascht daher nicht, dass die Pilotprojekte der Firma einen neuen Weg für eine nachhaltige und skalierbare Baumwollproduktion aufzeigen und den Landwirten helfen, ihre Betriebe zukunftssicher zu gestalten, ohne den Planeten zu schädigen.

„Es ist wirklich an der Zeit, die Faser anders zu betrachten und sie neu zu bewerten“

– JOHN BERTOLASO

Möglich wurde dieses Vorhaben durch das beeindruckende vereinte Wissen des Trios. Nach dem Studium des Maschinenbaus und der Naturwissenschaften sowie ihrer Erfahrung in der Unterstützung von Start-ups bei der Skalierung ihrer Unternehmen im Bereich der sauberen Technologien (u. a. Umwandlung von landwirtschaftlichen Abfällen in Biokunststoffe, Insektenzucht zur Gewinnung von Proteinen für den menschlichen Verzehr und verhaltensorientiertes Design im Bereich der öffentlichen Gesundheit) begannen die Materra-Gründer ihre Tätigkeit eher unkonventionell in einem Gewächshaus in Essex in England, bevor sie im Jahr 2021 nach Gujarat in Indien umzogen.

(R) Edward Brial Materra-Mitbegründer (Bild: Ekua King).

Ihr Modell ist vergleichbar mit „Stützrädern an einem Fahrrad“: Es ermöglicht ihnen, „die Bedingungen für den Anbau in die Richtung zu lenken, die wir uns jeden Tag wünschen, z. B. welche Düngemittel und welche Temperaturen je nach Reifegrad benötigt werden.“ Das Ziel? Skalierbare, nachhaltige und unvergleichlich weiche Baumwolle, die sowohl dem Verbraucher als auch dem Planeten nützt. „Wir fangen ganz von vorne an, dies ist also eine riesige Chance, bisherige Methoden zu überholen“, sagt Brial.

Dies steht besonders im Einklang mit der Unternehmensphilosophie von COS, dessen Überzeugung, dass man heute in das Design der Zukunft investieren sollte, den Anstoß dazu gab, sich die ersten Erträge von Materra zu sichern. Dies führte zur Kreation von fünf T-Shirt-Prototypen, die zusammen mit der Investition im Jahr 2021 ausgebaut werden sollen. Zum Auftakt dieser aufregenden Partnerschaft haben wir uns mit Materras Gründern zusammengesetzt, um über moderne Baumwollfarmen, die Bedeutung der lokalen Gemeinschaft und die Zusammenarbeit mit COS zu sprechen.

ÜBER DIE ZÜNDENDE IDEE
Edward Brial: „Wir befassen uns mit nachhaltigen Methoden in der Landwirtschaft. Landwirtschaft trägt zu einem Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen bei, ist einer der größten Nutzer von Frischwasser und besteht – im Falle der Baumwollwirtschaft – zum Großteil aus Kleinbauern. Dabei wurde klar, dass die Arbeit innerhalb dieses Bereichs große Auswirkungen haben würde. “

Wir begannen, darüber zu nachzudenken, dass sich viele technische Implementierungen [in der Vergangenheit] auf die Vollautomatisierung und den Import bestimmter landwirtschaftlicher Lösungen konzentrierten, anstatt mit dem zu arbeiten, was kontextuell besser geeignet ist. So sollten beispielsweise Teile aus lokalen Lieferketten bezogen werden, denn wenn etwas kaputt geht, kann man keine Schweizer Hardware auf Abruf importieren. Wir sind der Meinung, dass wir die Landwirte unterstützen und nicht versuchen sollten, sie zu ersetzen.

Was uns sehr wichtig war, war sicherzustellen, dass die Modeindustrie sich dafür interessiert. Wir klopften an so viele Türen wie möglich und begannen Gespräche mit COS, wobei wir feststellten, dass die Branche ein vielfältigeres Angebot an nachhaltigen Materialien benötigt.“

ÜBER DIE VORTEILE VON BAUMWOLLE AUS DEM GEWÄCHSHAUS
Edward Hill: „Einer der Hauptvorteile des Baumwollanbaus in einer geschützten Umgebung ist, dass wir viel mehr Kontrolle haben als ein traditioneller Landwirt. Beim Anbau im Freien ist man völlig vom Wetter abhängig. Eine schützende Umgebung kann zwar nicht dafür sorgen, dass die Sonne herauskommt, wenn sie nicht da ist, aber sie ermöglicht es uns auf jeden Fall, zu wässern, wann wir wollen, und die Feuchtigkeit und Temperatur zu kontrollieren. Jahreszeiten muss man in einer überdachten Umgebung kaum beachten, was vielfache Möglichkeiten eröffnet. Der Monsun beispielsweise weicht traditionell den Boden auf, wodurch dann gepflügt oder gepflanzt werden kann, aber gäbe es einen besseren Zeitpunkt, wenn man nicht auf den Monsun angewiesen wäre?

Bei unserem Prozess geht es um Entdeckung; Baumwolle wurde noch nie im Gewächshaus angebaut, im Gegensatz zu anderen Pflanzen wie Salat, über den es jede Menge Fachwissen gibt. Baumwolle wurde traditionell im Freien angebaut, daher kann die Ernte Veränderungen aufweisen, die nicht unbedingt offensichtlich sind. Wir müssen herausfinden, wie wir am besten mit diesen Veränderungen umgehen und was wir kontrollieren können, um zu unserem Ziel zu gelangen.“

ZUR ZUSAMMENARBEIT MIT LOKALEN GEMEINSCHAFTEN
Edward Brial: „In diesem Jahr haben wir unser erstes industrielles Pilotprojekt in Gujarat, einem der größten Baumwollanbaustaaten Indiens, gestartet. Indien ist bekanntermaßen das größte Baumwollanbaugebiet der Welt und verfügt daher über ein umfangreiches landwirtschaftliches Wissen und eine entsprechende Kultur. Es ist gilt auch als sehr chemieintensives Gebiet – auf allen umliegenden Feldern außerhalb des Landes, auf dem wir arbeiten, sieht man den Einsatz von Pestiziden auf offenem Feld, Flutbewässerung und so weiter.

Unsere Farmen sind ganz anders – sie befinden sich in einem kontrollierten Umfeld. Wir haben unser Pilotprojekt in einer Ecke eines Gebiets eingerichtet, das im Grunde ein Hochwasserbecken war. Es ist eine Sandgrube, in der in den letzten 10 Jahren nichts angebaut wurde. Daher wird dieses Gebiet gemeinsam mit unserem Team neu bestellt.

Wir haben wirklich Glück, unsere Partners zu haben. Wir haben Baumwollfarmer angeheuert, und unser Farm-Manager hat Erfahrung mit Bio-Indigo- und Bio-Obstanbau. Alle Mitarbeiter verfügen über viel praktisches Wissen über Baumwollfarmen, aber es sind ganz normale Baumwollfarmer. Daher ist die Zusammenarbeit mit ihnen letztendlich die beste Art und Weise, sicherzustellen, dass unsere Lösungen in ihren Ökosystemen wirklich funktionieren.“

Ed Hill: „Auf der Seite der Pflanzenwissenschaft arbeiten wir mit zwei brillanten Spezialisten in Indien zusammen. Einer von ihnen verfügt über umfassende Erfahrung innerhalb Gujarat und ist Experte für Pflanzenwissenschaft und Baumwollzucht. Der andere ist Spezialist für integriertes Pestizidmanagement – den Einsatz biologischer Schädlingsbekämpfung und natürlicher Spritzmittel. Da wir den Einsatz von Pestiziden vollständig vermeiden wollen, stützen wir uns stark auf ihre Erfahrung auf diesem Gebiet. Aber der eigentliche Spaß besteht darin, im Feld zu sein. Wir verwenden zwar Sensoren, aber viel basiert auf unseren Beobachtungen, wie sie bei vielen typischen Versuchen zum Einsatz kommen.“

(L) Surendra Sendhaji Rathod, Mitarbeiter der Farm (Bild: Dhruvin). 

John Bertolaso: „Wir entwickeln auch ein Unterstützungssystem mit einer Reihe von Werkzeugen für Landwirte, die künstliche Intelligenz und maschinelle Visualisierung nutzen, um bestimmte Probleme, die auf dem Feld auftreten, vorhersehen zu können. Beispielsweise in puncto Schädlingsbefall oder Herausforderungen für den Wachstumszyklus aufgrund von Umweltfaktoren. So werden die Landwirte bei der Entscheidungsfindung besser unterstützt.“

ÜBER DEN STELLENWERT VON BAUMWOLLE
John Bertolaso: „Es ist wirklich wichtig, die wirtschaftlichen Aspekte im Auge zu behalten, denn Baumwolle ist in der Vergangenheit massiv unterbewertet worden. Es ist wirklich an der Zeit, die Faser anders zu betrachten und sie neu zu bewerten. Dies ist eine Herausforderung, der wir immer wieder begegnen, denn Baumwolle wird nie als besonders wertvolle Pflanze angesehen. Wahrscheinlich wird sie es in Zukunft allerdings sein, da es aufgrund des Klimawandels schwieriger sein wird, sie anzubauen.“

„Einer der Hauptvorteile des Baumwollanbaus in einer geschützten Umgebung ist, dass wir viel mehr Kontrolle haben als ein traditioneller Landwirt“

– EDWARD BRIAL

Edward Hill: „Wir haben unseren Namen von Hydrocotton in Materra geändert, weil wir in Zukunft expandieren wollen, aber auch mit der Aussicht, eine Marke für die Konsumgüterindustrie zu werden. Das ist im Moment ein echtes Problem – wenn man jemanden auf der Straße fragt, welche Baumwollmarke [er trägt], hat er keine Ahnung – es ist nur „Baumwolle“ – ein einziges Wort für eine ganze Branche. Wir wollten einen Namen haben, der für die Verbraucher leichter zugänglich ist, damit sie in 10 Jahren, oder wann auch immer es soweit ist, nach unserem Namen fragen können. Ich denke, das wird für Materialproduzenten im Allgemeinen wichtig werden. “

(L) John Bertolaso, Materra-Mitbegründer (Bild: Ekua King). 

ÜBER DIE ZUSAMMENARBEIT MIT COS
Edward Brial: „Die Zusammenarbeit mit der Spitze der Lieferkette ist von entscheidender Bedeutung, da sie zeigt, dass es eine Nachfrage nach der Baumwolle gibt, die wir gemeinsam mit den Landwirten produzieren werden. Dass wir die Nachfrage vorhersehen können, wird unser wirtschaftliches Modell verändern. Die Modebranche auf verantwortungsbewusste Weise auszubauen wird eine wichtige Veränderung der Denkweise und ein Teil unseres Vorhabens sein. Wenn man mit einer Marke wie COS zusammenarbeitet, die allgemein bekannt ist, kann das definitiv ein Paradebeispiel für den Rest der Branche schaffen.“

Ed Hill: „COS war eine der ersten Marken, an die wir uns gewandt haben. Die Positionierung von COS innerhalb der Modebranche ist für uns sehr interessant, weil sie für mehrere Bevölkerungsgruppen zugänglich ist – einige nachhaltige Produkte können sehr teuer oder ziemlich altmodisch sein. Was uns an COS gereizt hat, ist die Tatsache, dass die Produkte langlebiger sind, aber auch preislich erschwinglich, und diese beiden Dinge sind sehr wichtig.“

ÜBER DIE ZUKUNFT DER MODEINDUSTRIE
John Bertolaso: „Wir haben über das Konzept der nettopositiven Mode gesprochen, und ich wünsche mir eine Modebranche, die im Einklang mit Menschen und dem Planeten steht; eine Branche, die die Ökosysteme, auf die sie sich stützt, mehr fördert, statt sie zu ruinieren, und die die Gemeinschaften, die Teil davon sind, wertschätzt. Das kann sich auf viele Arten manifestieren, aber drei Dinge würde ich mir besonders wünschen: einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise, wie heute Geschäfte gemacht werden, um Kreislaufwirtschaft und Transparenz zu fördern; einen Wandel in der Wahrnehmung von Materialien und Abfällen; sowie ein schnelles kollektives Handeln, um unsere Beziehung zu Rohstoffen und der natürlichen Welt zu ändern.“

Ed Hill: „Einige Marken machen den Fehler, nur neue Designs und nicht unbedingt Kleidungsstücke, die man kauft, liebt und jahrelang tragen möchte, anzubieten. Die Modebranche hat sich davon entfernt, Dinge zu verkaufen, die sich gut tragen lassen, und sich auf den Verkauf neuer Trends verlagert. Ich denke, eine Modeindustrie, die dazu zurückkehren kann, hochwertige Kleidung anzubieten, die langlebig und rückverfolgbar ist und von engagierten Menschen hergestellt wird, ist unsere Wunschvorstellung für die Zukunft.“

Edward Brial: „Wir müssen neu definieren, wie Unternehmen erfolgreich sein können, ohne die Umwelt und die Menschen zu zerstören. Es ist ein Gerechtigkeitsproblem – man kann Bauern nicht zu mehr Nachhaltigkeit anhalten, wenn man nicht in sie investiert. Das hängt mit der Modeindustrie zusammen, die sich, zumindest was Baumwolle betrifft, als Teil der landwirtschaftlichen Lieferkette sehen muss. Dieser Umstand sollte allgemein verstanden und akzeptiert werden.“

Text von Scarlett Conlon
Fotografie von Dhruvin und Ekua King


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